Frauen fördern mit mehr Konzept

Gleichstellungsquote nach § 37 a Hochschulgesetz NRW

Nachdem 1990 die heutige Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) das Kaskadenmodell im Hochschulsonderprogramm II ausprobiert hat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sich seit 2008 daran orientiert, hat nun die nordrhein-westfälische Regierung das Kaskadenmodell „als Rechtsinstrument zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit in Berufungsverfahren“ für sich entdeckt. Entgegen der Ratschläge einer Vielzahl von Gleichstellungsbeauftragten wurde es nun in das Hochschulgesetz implementiert.
Frauen fördern mit mehr Konzept

Foto: laflor/istock.de

Das Kaskadenmodell geht davon aus, dass nicht von heute auf morgen die Hälfte der Professuren, die Hälfte der Habilitationsstellen und die Hälfte der Promotionsstellen mit Frauen besetzt werden könne, weil noch nicht die nötige Frauenanzahl genügend qualifiziert sei. Schließlich beträgt der weibliche Anteil bei den Studierenden mehr als 50 Prozent, bei den Promotionen etwa 44 Prozent, bei den Habilitierten etwa 25 Prozent, in der Professorenschaft etwa 20 Prozent und in der Kategorie der C4/W3-Professuren etwa 15 Prozent. Deshalb wird als Zielzahl für die Frauenförderung fachspezifisch differenziert die Erreichung des Anteils der nächst niedrigeren Qualifikation gesetzt.

Zu wenig weibliche Karrieren

Die DFG ist 2013 in ihrem Abschlussbericht zu dem folgenden Ergebnis gekommen: „Obgleich zahlreiche Fortschritte bei der institutionellen und organisatorischen Umsetzung von Gleichstellung an den Mitgliedshochschulen festgestellt werden konnten, haben sich die Frauenanteile auf den verschiedenen Karrierestufen nach Ansicht der AG ‚Forschungsorientierte Gleichstellungsstandards’ noch nicht in dem Ausmaß gesteigert, wie zu Anfang des Prozesses erhofft worden war.“

Familiengerechte Personalentwicklung

Das Kaskadenmodell fokussiert Gleichstellung auf die Berufung von Professorinnen. Zielzahlen für Qualifikationsstellen – wie Stellen für wissenschaftliche Beschäftigte (angestellt oder verbeamtet) oder Juniorprofessuren – werden nur halbherzig entwickelt. Professorinnen kann man leichter aus dem Ausland werben als eine systematische, womöglich noch familiengerechte Personalentwicklung der eigenen Absolventinnen aufzubauen.

Das große Loch, in das angehende Wissenschaftlerinnen fallen, ist, wie neuere Untersuchungen belegen, nicht die Phase nach der Promotion, sondern schon davor. Die noch relativ hohe Zahl der Promotionen hängt nämlich mit Fächern wie beispielsweise Medizin zusammen. Die Humanmedizin mit einem knappen Drittel hat den vor allem weiblichen Bärenanteil bei den Promotionen. Das bedeutet, die Promotionen in den anderen Fächern sind in der Regel niedriger als 44 Prozent.

Gleichstellungsmonitoring nicht ausgereift

Auch die Umsetzbarkeit des Kaskadenmodells ist schwieriger als es scheint: Das Gleichstellungsmonitoring ist noch nicht so entwickelt, dass verlässliche Grundlagen vorhanden sind. Wegen der kleinen Fallzahlen müssen in der Regel mehrere Fächer mehrerer Hochschulen zusammen betrachtet werden. Dies führt jedoch zu Verzerrungen, die nicht hilfreich sind. Zum Beispiel werden traditionell die Naturwissenschaften zusammengezählt mit den extrem ungleichen Frauenanteilen in Biologie und Physik.

Diese Problematik sieht auch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen in seinem Leitfaden für die Praxis zur Umsetzung des Paragrafen 37 a. Daher definiert es eine Ausgangsgesamtheit als „wesentlichen Verfahrensschritt bei der Festsetzung der Gleichstellungsquote“, die vom Rektorat festgelegt wird. Dabei ist die Ausgangsgesamtheit die Menge an Personen, „die die abstrakten Qualifikationsanforderungen für eine Professur entsprechend der Hochschulart und der Fachgruppenspezifika formal erfüllen“. Da jedoch die Professorabilität aufgrund der Diversifizierung der nationalen wie internationalen Qualifikationswege erst bei einer konkreten Berufungsrunde festgestellt wird, ist es nicht möglich, diese Ausgangsgesamtheit festzustellen.

Alternativen zur Förderung der Gleichstellung

Nach wie vor sind Frauen objektiv in höherem Maße an verlässlichen Karrierewegen interessiert, da ihre Zeit der Familiengründung stärker begrenzt ist als die der Männer. Die Phasen der Familiengründung fallen genau in die Zeiten der Qualifikationen. Daher ist es auch für die Gleichstellung wichtig, angemessen bezahlte, längerfristige Arbeitsverträge zu vergeben und das Hausberufungsverbot aufzuheben.

Dr. Luzia Vorspel // In: Gewerkschaft & Wissenschaft 2-2014