Frauensache?

Katastrophenwarnung: Frauen in Lehrberufen

„Lehrer wird zum Frauenberuf – Verbände sind entsetzt“, titelte die WAZ im Oktober 2014. Entsetzt zeigt sich im Beitrag in erster Linie der Philologenverband, für den der Trend einer „Katastrophe“ gleichkommt. „Die Feminisierung des Lehrer*innenberufes beeinträchtigt die Erziehung“, konstatiert der Vorsitzende Peter Silbernagel.
Frauensache?

Foto: suze/photocase.de

Der Artikel zementiert letztlich genau die Annahme, die er unbedingt vermeiden möchte: Dass Eigenschaften geschlechtsgebunden sind. Dass Männer* Kindern bestimmte Dinge besser vermitteln können als Frauen*. Aber das ist falsch: Unsere Eigenschaften hängen nicht von unserem Geschlecht ab – schon gar nicht von unserem biologischen.

Vaterfiguren für die Schüler*innen
Der pauschale Verzweiflungsruf nach „Vaterfiguren“ in den Schulen ist jedenfalls verkürzt: Was wir in Schulen brauchen, sind Vorbilder, die ein möglichst breites Spektrum unserer heterogenen Gesellschaft abbilden, um Kindern vielfältige Identifikationsmöglichkeiten zu bieten. Außer Männern* fehlt es den Schulen nämlich noch an weitaus mehr Personengruppen, die man ebenso beliebig herausgreifen kann: trans- und intersexuelle Lehrkräfte, Lehrkräfte mit Migrationshintergrund, behinderte Lehrkräfte, ... Diese Liste führt ins Unendliche. Und deshalb lautet mein persönlicher Appell nicht: „Wir brauchen mehr Männer*!“ Er lautet vielmehr: „Wann begreifen wir endlich, dass Kindererziehung und Bildung gemeinschaftliche Aufgaben höchster Priorität sind?!“

Das Problem ist unser Bildungssystem
Lehrer*innen müssen besser ausgestattet, besser bezahlt und besser ausgebildet werden, damit dieser Beruf seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden kann! Das ist das Problem unseres Bildungssystems – nicht, dass  es mehr Lehrende mit weiblichen Geschlechtsteilen gibt.

P.S.: Ein ähnliches und ebenso großes Problem sind die prekären Berufsmöglichkeiten (alleinerziehender) Frauen*.

Kommentar: Eva Caspers // In: nds 8-2015