Keine Alibi-Debatte: Pflichtstunden & Belastungen senken

Schulausschuss debattiert Lehrerarbeitszeit

Die GEW hält die aktuelle Diskussion im Landtag über die Lehrerarbeitszeit für eine Alibi-Debatte. Forderungen der FDP-Fraktion zur Installierung eines Jahresarbeitszeitmodells für Lehrkräfte  erteilte die Gewerkschaft heute eine klare Absage. Nach wie vor – so die Überzeugung der GEW – sei die Länge der Arbeitszeit und die häufig unbezahlte Mehrarbeit der Lehrer*innen das eigentliche Problem.

„Wer das Jahresarbeitszeitmodell oder die Pflichtstundenbandbreite für eine moderne und gerechte Bemessung der Arbeitszeit hält, ignoriert deren mangelnde Akzeptanz und verkennt die schulische Realität“, erklärte GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer. Ihr Vorwurf an die Politik: „Wirkliche Entlastungen der Lehrkräfte sind seit Jahren ausgeblieben. Der Ausgleich für besondere unterrichtliche Belastungen ist deutlich geringer geworden.“ Jahrelang sei es versäumt worden, die drängenden Fragen wirklich zu klären.

 Vor 15 Jahren hat die Untersuchung zur Lehrerarbeitszeit von Mummert + Partner hohe Wellen geschlagen. Als Ergebnis der damaligen Debatte sind die sog. Pflichtstunden-Bandbreite und das Jahresarbeitszeitmodell als alternative Pfade zur Verteilung der Lehrerarbeitszeit eingeführt worden. „Beide Modelle spielen in der schulischen Realität aus guten Gründen keine oder eine nur marginale Rolle“, sagte Schäfer. So sei die Anwendung der Pflichtstunden-Bandbreite für mehr als 42.000 tarifbeschäftigten Lehrkräfte rechtlich nicht zulässig und Schulen verzichteten klugerweise auf diese Arbeitszeitvariante. Trotz intensivster Werbeanstrengungen gebe es auch nur ganz wenige Schulen, die ein „genehmigtes“ Jahresarbeitszeitmodell nutzten. Einige dieser Schulen hätten bereits den Ausstieg aus diesem Modellvorhaben und die Rückkehr zum Pflichtstundenmodell wieder vollzogen, da nach Einschätzung der beteiligten Lehrerkollegien das Arbeitszeitmodell nicht zu mehr Gerechtigkeit geführt habe.

 „Unsere Position hat sich seit der Untersuchung von Mummert + Partner nicht geändert. Wir brauchen keine neuen Rechenmodelle, sondern effektive Entlastung“, forderte GEW-Landesvorsitzende Schäfer abschließend. Die GEW fordere eine Entlastung durch Absenkung der Pflichtstunden für Lehrkräfte sowie eine Verdoppelung der Anzahl sog. Anrechnungsstunden. Diese dienen der Kompensation  für die ständige Wahrnehmung besonderer Aufgaben und zum Ausgleich besonderer unterrichtlicher Belastungen.