Keine Verbesserung für Doktorand*innen

Promotionsförderung erhöht

Die rund 4.100 Promotionsstipendiat*innen der Begabtenförderwerke haben auf den ersten Blick allen Grund zur Freude: Sie erhalten seit spätestens 1. Oktober 2015 zusätzlich 100,- Euro im Monat. Hintergrund ist der Beschluss des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), die Förderung von 1.050,- Euro auf 1.150,- Euro zu erhöhen. Unverändert geblieben ist die Forschungskostenpauschale von 100,- Euro monatlich.
Keine Verbesserung für Doktorand*innen

Foto: Andrey Fo/photocase.de

Eine Erhöhung um rund 9,5 Prozent, in Tarifverhandlungen wäre ein solches Ergebnis als klarer Erfolg der Gewerkschaften zu bewerten. Wie aber ist aus gewerkschaftlicher Sicht die Anhebung der Stipendien zu beurteilen? Der Aufschlag der Stipendien war längst überfällig: Anders als Einkommen aus tarifvertraglichen Arbeitsverhältnissen nehmen diese nicht jährlich zu, sondern stagnierten bereits seit 2007. Angesichts von Inflation und gestiegenen Lebenshaltungskosten, insbesondere massiv erhöhter Mieten in Ballungszentren, bedeutete das Gleichbleiben der Förderhöhe, dass Stipendiat*innen von Jahr zu Jahr jeweils im Verhältnis weniger Geld zur Verfügung stand. Dem wurde nun zumindest etwas entgegengesteuert.

Höhere Sätze, weniger Stipendien

Problematisch ist allerdings, dass die Erhöhung vom BMBF kostenneutral gestaltet wurde – wie schon die Anhebung des Büchergeldes für Studienstipendiat*innen im Jahr 2013. Das heißt, dass die Begabtenförderwerke somit zwar die Förderhöhe anpassen müssen, dafür aber nicht mehr Geld erhalten. Eine Erhöhung der Förderung für die einzelnen Stipendiat*innen bedeutet folglich weniger Stipendien insgesamt. Zudem ist die Promotion mit Stipendium grundlegend kritisch zu betrachten, da angehende Wissenschaftler*innen damit außerhalb der Sozialversicherungssysteme stehen. Wer die Höchstförderdauer ausschöpft und drei Jahre mit einem Stipendium promoviert, zahlt in dieser Zeit nicht in die gesetzliche Rentenkasse ein und muss zudem selbst für Kranken- und Pflegeversicherung aufkommen. Damit stehen Doktorand*innen für den Vollzeitjob, den die Promotion in der Regel darstellt, seit der Erhöhung faktisch gut 1.000,- Euro monatlich zur Verfügung.

Was fehlt: Qualifikationsstellen

Dass ein Promotionsstipendium trotzdem für die eine oder den anderen verlockend klingt, liegt nicht zuletzt daran, dass an den Hochschulen kaum Stellen existieren, die tatsächlich Zeit für die eigene Qualifikation lassen. Dem hält die GEW die Forderung nach einer Umwandlung von Stipendien in echte Qualifikationsstellen entgegen, bei denen mindestens 50 Prozent der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit für die Promotion zur Verfügung stehen.

Barbara Umrath // In: Gewerkschaft & Wissenschaft 2-2015

Zweite Förderrunde eröffnet: Qualitätspakt Lehre

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze zeigt sich hocherfreut. In einer Pressemitteilung verlautete ihr Ministerium am 6. November 2015, dass sich 23 Hochschulen aus NRW mit ihren Anträgen in der zweiten Förderrunde  des bundesweiten Qualitätspaktes Lehre durchsetzen konnten. Damit liege NRW im Vergleich aller Bundes-länder auf Platz 1, knapp vor Bayern und Baden-Württemberg. Das Fördervolumen liege bei 210 Millionen Euro. Zehn Universitäten sowie 13 Fachhochschulen und Musikhochschulen setzten sich mit ihren Anträgen durch. 820 Millionen Euro für vier Jahre von 2016 bis 2020 werden bundesweit für die zweite Förderrunde  bereitgestellt. „ Zusätzliche Mittel für die Qualitätssicherung und -verbesserung der Hochschullehre und die Verbesserung der Betreuungsrelationen “ , das war die Ansage beim Start der ersten Förderrunde in 2010 / 2011. Für beide Förderphasen zwischen 2010 und 2020 kommen insgesamt zwei Milliarden Euro zusammen. Für eine bessere  Lehre und die vielen zusätzlichen Herausforderungen wird dringend mehr qualifiziertes Personal für Lehre, Betreuung und Beratung benötigt – dieser Analyse des Wissenschaftsministeriums kann man uneingeschränkt zustimmen. Die Zahl der Studienanfänger*innen ist infolge höherer Übergangsquoten in ein Studium und auch wegen des doppelten Abitur-jahrgangs in allen Bundesländern nach oben geschossen: In NRW gab  es im  Wintersemester 2014 / 2015 über 717.000 Studierende, zehn Jahre zuvor waren es gut 470.000. Auch die Vielfalt hat unter anderem durch die unterschiedlichen Zugänge zum Studium deutlich zugenommen. Viele Hochschulen haben darauf mit neuen Ansätzen reagiert und beispielspielsweise Vorkurse für Mathematik und Physik angeboten oder ganze Studieneingangsphasen neu gestaltet, um Erstsemester*innen besser und erfolgreicher ins Studium einzuführen. E-Learning-Ansätze, die Inhalte auf eine neue Weise anbieten und ein Projektlernen ermöglichen sollen, wurden vielfältig entwickelt. Aber der  Kern des guten Lehrens und Lernens ist und bleibt eine gute Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Lernenden. Und hier hapert es seit Langem: Auch wenn NRW gewaltige finanzielle Anstrengungen unternimmt, bleibt das Land seit Jahren im bundesweiten Vergleich auf einem der hinteren Plätze. So verdienstvoll es sein mag, dass der Bund für Projektphasen Milliarden bereitstellt: Was die Hochschulen wirklich benötigen, sind sicher nicht befristete Mittel, die sie nur erlangen können, wenn sie „Projekte“ definieren. Benötigt wird eine den heutigen Studierendenzahlen angepasste, dauerhafte Finanzierung der Lehre. Mit immer neuen Projektmitarbeiter*innen mit befristeten Verträgen wird gute Lehre nicht zu erreichen sein.

Dr. Ingrid Lotz-Ahrens // In: Gewerkschaft & Wissenschaft 2-2015