„Komm mit!“ am Berufskolleg Vera Beckers

Erfolgsrezept mit Verfallsdatum

Am Krefelder Berufskolleg Vera Beckers wurde mit „Komm mit!“ deutlich, was individuelle Lernberatung leisten kann. Vorausgesetzt, die Ressourcen stimmen.
„Komm mit!“ am Berufskolleg Vera Beckers

„Komm mit!“ bot die spannende Möglichkeit, sich mit anderen Berufskollegs auf der Grundlage von Zahlen zu vergleichen und sich über die pädagogischen Maßnahmen, auch hinsichtlich des Erfolgs, auszutauschen. Es war ermutigend zu sehen, wie sehr die Schüler*innen von der Förderung profitierten. Das Projekt machte beispielhaft deutlich, was erreicht werden kann, wenn Schule den Schüler*innen durch intensive individuelle Beratung und Coaching gerecht wird, denn genau hier lag der Schwerpunkt im Berufskolleg Vera Beckers: Die Schüler*innen wurden gezielt motiviert, rechtzeitig individuelle Beratungstermine wahrzunehmen, nicht erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen war. Frustrierend war zugleich die Erkenntnis, dass für diese Art der Förderung außerhalb des Projekts kaum Ressourcen zur Verfügung stehen.

Die Kernidee: individuelle Lernberatung

Die Beratung am Krefelder Berufskolleg zielte darauf ab, dass die Schüler*innen sich eigenständig um Lösungen bemühten, unterstützende Entscheidungshilfen wurden  angeboten. Zu Beginn der Beratung wurden gemeinsam mit den Schüler*innen die eigenen Kompetenzen in den Bereichen Arbeitsumfeld, Planung, Zeiteinteilung, Organisation, Mitarbeit im Unterricht und Lerntechniken erfasst. Ihre Problemfächer wurden festgestellt; die Schüler*innen selbst, ihre Klassen- und Fachlehrer*innen gaben Einschätzungen über die Ursachen hierfür ab und formulierten persönliche Kompetenzen und Ressourcen. Auf dieser Grundlage wurde gemeinsam mit den Schüler*innen eine erste Zielvereinbarung getroffen. Die beratenden Kolleg*innen erfassten in der folgenden Zeit kontinuierlich die Leistungen der Schüler*innen anhand von Zeugnissen, Klausurergebnissen und Selbsteinschätzungen sowie durch Rücksprache mit den Fachlehrer*innen. Im Mittelpunkt der Selbsteinschätzung der Schüler*innen stand insbesondere das Lern- und Arbeitsverhalten: Immer wieder wurden hierfür die Mitarbeit im Unterricht reflektiert und Arbeitsunterlagen gemeinsam durchgesehen. Auf Basis der Dokumentation erfolgte in regelmäßigen Abständen eine gezielte Lernberatung anhand von Zielkontrollen und neuen Zielvereinbarungen. Förderangebote im Klassenverband, etwa für die Sprach- und Lesekompetenz, für Argumentationsfähigkeit und sprachlichen Ausdruck sowie für situationsangemessene Sprechweise, ergänzten die individuelle Beratung. In jeder Klasse wurde pro Woche eine Stunde „Mathesilentium“ eingeführt: Die Schüler*innen unterstützen sich hier gegenseitig, das Fach Mathematik verlor einen Teil seines Schreckens und war nicht mehr die unüberbrückbare Hürde für die Versetzung. Überaus selten verweigerten sich Schüler*innen dem Konzept, indem sie nicht zu Beratungsterminen erschienen. Die wenigen Fälle, die Termine schwänzten, wurden mit Vorankündigung nicht mehr eingeladen, da der Ansatz die aktive Mitarbeit der Schüler*innen voraussetzt.

Was bleibt: Beratung auf Sparflamme

Nach dem Ende von „Komm mit!“ tauscht sich das Berufskolleg Vera Beckers als Referenzschule im Netzwerk „Zukunftsschulen NRW“ heute mit vier Berufskollegs aus und versucht den SchülerInnen mit den verbleibenden Ressourcen gerecht zu werden. Die Türen des Beratungsbüros sind immer dann offen, wenn die Kollegen*innen eine Freistunde haben. Die intensive Beratung, die die Schüler*innen in Zeiten von „Komm mit!“ zum Erfolg geführt und geholfen hat, Strategien zur Problembewältigung zu entwickeln, kann jedoch nicht mehr angeboten werden.

Hedwig Schomacher // In: nds5-2015