Männerdomäne in Führungspositionen soll fallen

Frauenquote in der Europäischen Union

Frauen und Männer sind zwar gleichgestellt, aber in Aufsichtsräten großer Unternehmen sind Managerinnen weiterhin eine Rarität. Das soll anders werden. Das Europäische Parlament macht Druck. Doch gegen die Frauenquote gibt es erheblichen Widerstand.
Männerdomäne in Führungspositionen soll fallen

Foto: quintanilla/istockphoto.de

Das Votum aus Brüssel geht eindeutig weiter als die Pläne von SPD und Union, die ab 2016 mindestens 30 Prozent Frauen in den Führungsetagen sehen wollen. EU-Kommissarin Viviane Reding macht deutlich: Es geht nicht ohne Quote. Bis 2020 sollen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen verbindlich 40 Prozent Frauen sitzen. Schon heute sind 60 Prozent der Hochschulabsolvent*innen weiblich, aber 83 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder männlich. In der Wirtschaft kommen Frauen nach jüngsten Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bei der Karriere noch immer langsam voran.

Vorbild Skandinavien
So wuchs der Frauenanteil in den Vorständen im vergangenen Jahr nur leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent. In den Aufsichtsräten stieg die Anzahl der Frauen immerhin von 12,9 Prozent im Jahr 2012 auf zuletzt 15,1 Prozent, wie das aktuelle Managerinnen-Barometer aufzeigt. Ebenfalls aufwärts ging es laut DIW bei den Aufsichtsräten der 30 DAX-Unternehmen: Hier legte der Frauenanteil um 2,5 Prozentpunkte auf 21,9 Prozent zu. Einen Rückschlag verzeichneten dagegen die Frauen in Vorständen. Ihr Anteil fiel im Vorjahr um 1,5 Punkte auf 6,3 Prozent.
Viviane Reding sieht in den deutschen Plänen für eine gesetzliche Frauenquote einen guten Anfang. Wenn das, was im Koalitionsvertrag festgeschrieben wurde, Realität wird, würde Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Italien zu den Vorreitern der Frauenquote zählen. Die Bundesregierung wird dabei einen Blick auf positive Beispiele in anderen Ländern – wie etwa in Skandinavien – werfen müssen: In diesen Ländern ist eine staatliche Kinderbetreuung mit schulischen Ganztags-angeboten weit verbreitet. Ebenso wird auch die Beteiligung der Eltern in der Kindererziehung gefordert, insbesondere der Väter. Diese Art des Umganges fällt Deutschland noch relativ schwer. Es wird Zeit brauchen, um einen kulturellen Wandel zu erreichen.

Freiwillige Vereinbarungen gescheitert
Bundesjustizminister Heiko Maas möchte gemeinsam mit Familienministerin Manuela Schwesig noch bis Ende März 2014 einen Gesetzentwurf für eine Frauenquote in Aufsichtsräten vorlegen, da der Versuch freiwilliger Vereinbarungen in der Wirtschaft offensichtlich gescheitert ist. Nach den Vorstellungen von Manuela Schwesig soll die Quote demnach für die Führungsgremien von mehr als 2.600 Unternehmen in Deutschland gelten. Eine starre Quote von 30 Prozent Frauenanteil werde es dabei nur für Aufsichtsräte in Unternehmen geben, die börsennotiert und voll bestimmungspflichtig sind. Das betrifft etwa 120 Unternehmen. Bei Nichteinhalten der verbindlichen Quote solle es Sanktionen geben.
Auch der öffentliche Dienst möchte nicht hinter den in der Wirtschaft geforderten Vorgaben zurückbleiben. Hier gibt es bereits bei der Umsetzung der Zielvorgaben im Frauenförderplan des Landesgleichstellungsgesetzes (LGG) Schwächen. Dienststellen erreichen die Ziel-vorgabe am häufigsten im mittleren und gehobenen Dienst. Im einfachen und im höheren Dienst hingegen wird die Zielvorgabe jeweils in etwa zwei Drittel der Fälle nicht erreicht.
Am Ziel vorbei
Bei den Zielvorgaben im Frauenförderplan für Beförderungen und Höhergruppierungen zeigt sich, dass in mehr als der Hälfte der Fälle mit fehlender Zielvorgabe in den ausgewählten Besoldungs- und Entgeltgruppen die Festlegung derselben unterblieb, obwohl Frauen unterrepräsentiert waren. Dies gilt insbesondere für den höheren Dienst. In den Besoldungsgruppen A 13 (Gehobener Dienst), A 12 und A 9 erreichen die meisten Dienststellen ihre Zielvorgaben für Beförderungen und Höhergruppierungen nicht. Lediglich in den Gruppen EG 8 und A 9 Z überwiegen die Angaben in der Kategorie „Zielvorgabe erreicht“. Im Ergebnis gilt aber für die meisten Besoldungs- und Entgeltgruppen, dass in der Mehrzahl der Fälle die Zielvorgaben für Beförderungen und Höhergruppierungen nicht erreicht wurden.

Claudia Brechtken // In: nds 3-2014