Nachwuchs für die Schulleitung

Mentoring für Frauen

An Schulleitung interessierte Lehrerinnen motivieren, sie unterstützen und begleiten bis in die Führungsetage einer Schule das ist Ziel des Mentoringprogramms für Frauen als Personalentwicklungsinstrument im Bezirk Arnsberg. Für das Projekt wurden die ersten Planungsschritte im Frühjahr 2014 gemacht. Anna Wiegers ist Fachberaterin für Gleichstellungsfragen in der Schulabteilung der Bezirksregierung Arnsberg. Die nds sprach mit ihr über das Pilotprojekt, den Entwicklungsprozess und die Ziele.
Nachwuchs für die Schulleitung

Foto: Sunny studio/fotolia.de

Was ist die Zielsetzung des Mentoringprojekts für Lehrerinnen im Bezirk Arnsberg?
Anna Wiegers: Bei dem Personalentwicklungsprojekt geht es um Frauenförderung im Zusammenhang mit der Förderung des Schulleitungsnachwuchses. Insbesondere in Führungspositionen sind Frauen unterdurchschnittlich vertreten, wobei es an Schulen der Sekundarstufe II eine sehr deutliche Unterrepräsentanz von Frauen in der Schulleitung gibt. Die Bezirksregierung wird in diesem Pilotprojekt aber alle Schulformen einbeziehen.

Warum ist ein spezielles Mentoring für Frauen nötig?
Nach dem Landesgleichstellungsgesetz NRW (LGG) müssen spezielle Maßnahmen ergriffen werden, damit Frauen auch in Beförderungsämtern und höheren Vergütungsgruppen entsprechend vertreten sind. Dabei legt die Bewerbungsstatistik des Frauenförderplans offen, dass sich Frauen signifikant weniger auf Beförderungsstellen bewerben als Männer. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen: Die Lebensläufe von Frauen sind eher weniger stringent, Frauen sehen und erfahren Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ihre Karrierewünsche sind häufig immer noch gesellschaftlich negativ besetzt, sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich. Durch individuelle Unterstützung und flexible Zeitplanung im Mentoringprozess können die Bedürfnisse von Frauen besonders berücksichtigt werden.

Wie ist die Durchführung geplant?
Beim Mentoring geht es um die Begleitung einer Lehrerin, die an einer Führungsposition interessiert ist sie ist die Mentee. Eine erfahrene Schulleitung von einer anderen Schule oder auch anderen Schulform ist die oder der Mentor*in. Die Beziehung zwischen Mentor*in und Mentee ist sehr persönlich, die konkrete Gestaltung ist am Bedarf der Nachwuchskraft ausgerichtet und praxisbezogen. Es soll eine Beziehung auf Augenhöhe sein, ohne Abhängigkeit und Konkurrenz innerhalb derselben Schule. Im Mentoringprozess können die persönlichen Stärken hervorgehoben werden. Es findet eine Orientierung an den individuellen Zielvorstellungen und den konkreten Bedürfnissen der Mentee statt sowie eine Ermutigung zur beruflichen Weiterentwicklung. Darüber hinaus werden die Tandemtreffen durch Fortbildungen für Mentees, aber auch Qualifizierungen für Mentor*innen ergänzt.

Anna Wiegers: „Durch individuelle Unterstützung und flexible Zeitplanung im Mentoringprozess können die Bedürfnisse von Frauen besonders berücksichtigt werden.“


Wer wählt die Mentor*innen und die Mentees aus?
Für das Mentoringprogramm werden sowohl weibliche als auch männliche Schulleitungen angesprochen, die bereit sind, sich über die Schulter gucken zu lassen und ihre Zeit zur Verfügung stellen, um ihre Erfahrung weiterzugeben. Die Ansprache erfolgt über die Gleichstellungsbeauftragten in Absprache mit ihren Kolleg*innen aus den jeweiligen schulfachlichen Dezernaten. Eine externe professionelle Beraterin führt mit den ausgewählten Schulleitungen ein Interview, um auf dieser Grundlage ein passendes Tandem zu finden.

Wer hat das Projekt ins Leben gerufen?
Es ist gerade die passende Zeit, Mentoring im Zusammenhang mit vielen Bemühungen um Frauenförderung und Schulleitungsnachwuchs zu nutzen, auch wenn ich Mentoring schon vor Jahren in Hessen kennengelernt und es als effektives Instrument der Personalförderung gerade für Frauen angeregt habe. Seit November 2013 gibt es eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus allen Bezirksregierungen zum konstruktiven Gesprächsaustausch über Möglichkeiten der Einführung von Mentoring im Schulbereich. Zusammen mit diesen Impulsen hat die neue Schulabteilungsdirektorin Susanne Blasberg-Bense aktiv die Entwicklung eines Pilotprojekts in Arnsberg vorangetrieben.

Gibt es vergleichbare Projekte in Nordrhein-Westfalen?
Die gibt es, wenn auch noch nicht im schulischen Bereich, zum Beispiel in der Handwerkskammer, in Unternehmen, an Universitäten. In Hessen gibt es Mentoring im Schulbereich schon länger, auch Hamburg und Bremen sind nachgezogen. Und auch andere Bezirksregierungen planen Mentoringvorhaben.

Sind während der Projektplanung Probleme aufgetreten?
Das Problem bestand darin, Mentoring als Instrument der Personalentwicklung mit erheblichen Fortbildungsanteilen in der Bezirksregierung zu verankern. Hierzu hat eine
Arbeitsgruppe mit den Gleichstellungsbeauftragten aller Schulformen und Fachleitungen aus dem Fortbildungsdezernat unter Beteiligung des Personaldezernats Möglichkeiten der Kooperation innerhalb der Schulabteilung entwickelt. Es mussten Projektanträge für die Mitbestimmungsgremien aller Schulformen vorbereitet werden, wobei hier bereits im Vorfeld durch frühzeitige Information und Transparenz Zustimmung signalisiert wurde. Die eigentliche Pionierarbeit besteht jedoch in der Übertragung von Mentoring vom außerschulischen auf den schulischen Bereich in einem „Unternehmen“ mit fast 40.000 Lehrkräften.
Welche Unterstützung erfahren die Mentor*innen und Mentees in der Zeit des Programms?
Für die Mentees wird unter anderem eine Fortbildung zum Umgang mit Ambivalenzen entwickelt. Die Mentor*innen erhalten eine Qualifizierung zu den Methoden im Mentoring – dazu gehören das Feedback, das Coaching und das sogenannte Shadowing, in dem die Mentee die Schulleitung im Alltagsgeschäft begleitet. Im Pilotprojekt werden neben Moderator*innen aus den Fortbildungsbereichen Gleichstellung und Schulleitung externe Referent*innen engagiert, die bereits professionelle Erfahrungen mit Mentoring außerhalb von Schule aufweisen.

Die Fragen stellte Anke Böhm. // In: nds 3-2015