NRW muss mehr in Bildung investieren!

DGB & GEW: Zwischenbilanz des Bochumer Memorandums

Trotz punktueller Verbesserungen setzt sich die soziale Schieflage im Bildungswesen fort. Nur in wenigen Bildungsbereichen gibt es erfreuliche Fortschritte zu berichten, während anderswo Stillstand zu verzeichnen ist oder sogar Verschlechterungen zu beobachten sind. Diese ernüchternde Bilanz ziehen Wissenschaftler*innen in einer von DGB und GEW in Auftrag gegebenen Studie zur Zwischenbilanz der rot-grünen Bildungspolitik in NRW.

Die Ergebnisse der Studie mit dem Titel "Bildungspolitik in NRW, Bochumer Memorandum 2010 - 2015, eine Zwischenbilanz" wurde heute auf der Landespressekonferenz in Düsseldorf von der Bochumer Bildungsforscherin Prof. Dr. Gabriele Bellenberg, Ruhr-Universität, vorgestellt und vom DGB-Vorsitzenden Andreas Meyer-Lauber und von der GEW-Landesvorsitzenden Dorothea Schäfer politisch bewertet.

„Mit der Zwischenbilanz des zweiten Bochumer Memorandums lässt sich konkret überprüfen, ob die Landesregierung ihrem eigenen bildungspolitischen Anspruch gerecht wird und an welchen Stellen dringend nachgebessert werden muss“, machte Meyer-Lauber die Bedeutung des Memorandums deutlich.

Die Landesvorsitzende der GEW NRW, Dorothea Schäfer, kritisierte: „Trotz durchaus positiver Entwicklungen sind wir aber mit den Ergebnissen insgesamt nicht zufrieden“. Vor allem mit Blick auf die Chancengleichheit in der Bildung vermissen DGB und GEW eine positive Entwicklung. In NRW sei die Abhängigkeit des Elternhauses beim Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen weiterhin unakzeptabel stark. Die Landesregierung sei mit dem Anspruch „Kein Kind zurücklassen!“ angetreten. Meyer-Lauber und Schäfer forderten einhellig: „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Anstrengungen erheblich verstärkt werden. NRW muss mehr in Bildung investieren.“

An Hand von zehn Indikatoren untersuchte Bellenberg mit ihrem Co-Autor Prof. Dr. Christian Reintjes, ob die Landesregierung ihre Reformvorhaben in der Bildung - von der Kita über Schule und Hochschule, von der Berufsausbildung bis zum lebenslangen Lernen in der Erwachsenenbildung - auch wirklich effektiv umsetzt.

Zu den positiven Entwicklungen zählen u. a. der Ausbau der KITA-Plätze für unter dreijährige Kinder, die Anzahl Jugendlicher, die einen mittleren Schulabschluss erlangen sowie die Anzahl der Hochschulabsolvent*innen. Zu den kritischen Ergebnissen zählen u. a. die hohe Sitzenbleiberquote an Hauptschulen, die große Anzahl der Schüler*innen ohne Schulabschluss, der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsbeteiligung sowie die Ausbildungsplatzsituation.

Bochumer Memorandum 2011

2011 wurde das zweite Bochumer Memorandum „Bildung als Schlüssel für soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit“ verabschiedet: Wie bereits das erste Memorandum 2005 setzt es an die Stelle abstrakter bildungspolitischer Forderungen konkrete Ziele mit ihnen zugeordneten und überprüfbaren Indikatoren für die jeweilige Legislaturperiode.

In seinem ersten Teil konzentriert sich das Memorandum 2011 darauf, Ziele des Jahres 2005, die bis 2010 noch nicht erreicht wurden, erneut zu formulieren und im Einzelfall an die Weiterentwicklung beim Durchschnitt aller OECD-Staaten anzupassen, um zumindest bis 2015 die 2005 formulierten Verbesserungen zu erreichen. In einem zweiten Teil formuliert das Bochumer Memorandum 2011 Voraussetzungen für eine qualitative Bildungspolitik. Im Mittelpunkt steht dabei der grundlegende Gedanke, Bildungsinstitutionen und -landschaften sowohl motivational als auch materiell in die Lage zu versetzen, selbstständig an der Verbesserung ihrer pädagogischen Qualität und Leistung zu arbeiten.