Politische Bildung online

Was kommt nach dem Klick?

Politische Bildung heißt bei Campact „Lernen durch Handeln“. Wenn Bürger*innen politisch aktiv werden, sich an Debatten und Protesten beteiligen, dann lernen sie dabei, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, aber auch die Einflusswege und politischen Entscheidungsverfahren in unserer Demokratie zu nutzen.
Politische Bildung online

Foto: sebra/fotolia.de

Der Einstieg über das Internet ist niedrigschwellig: Durch die Unterschrift unter einen Online-Appell drücken Menschen ihre politische Unterstützung für eine Forderung aus. Sie können dann auch entscheiden, ob sie weitere Informationen im Zuge einer Kampagne erhalten möchten.

Vom Netz auf die StraßeKlicken ist wichtig, doch ebenso wichtig ist für uns, dass es nicht dabei bleibt. Denn eine im Netz stehende Zahl von Unterzeichner*innen allein erzeugt meist nur eine begrenzte Wirkung. Daher unternimmt Campact große Anstrengungen, um durch weitere Aktionen den Forderungen Nachdruck zu verleihen, zum Beispiel durch Unterschriftenübergaben in Landeshauptstädten, Berlin oder Brüssel. Dazu laden wir die in der Nähe wohnenden Unterzeichner*innen eines Online-Appells ein und bringen die Menschen so vom Netz auf die Straße. Wenn das Thema reif ist, versuchen wir Menschen in großer Zahl zu einer Demonstration oder Menschenkette zu mobilisieren. 40.000 kamen unlängst zur G7-Demo gegen TTIP in München, zu der Campact mit vielen anderen auch mit Unterstützung der GEW aufgerufen hatte. Über unseren Newsletter, den Blog und Social Media informieren wir die Bürger*innen über die neuen Entwicklungen zu einer Kampagne. Dabei ist unsere Facebook-Seite mit über 208.000 Likes inzwischen ein wichtiger Kanal, der uns erlaubt, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, ohne über die traditionellen Medien zu gehen.

Das Netz bündelt die Macht der VielenDas Internet und Social Media ermöglichen es uns, sehr schnell auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren, und damit die (Gegen-)Macht der Vielen in politische Entscheidungsprozesse effektiv einzubringen. Und das hat Wirkung: Im Bündnis mit vielen Partnern haben wir Deutschlands Felder gentechnikfrei gemacht und das Verbot von Gen-Mais MON810 durchgesetzt. Auch der Atomausstieg nach Fukushima war Ergebnis des massiven Protests, den Campact als Teil einer breiten Bewegung mit organisiert hatte. Das Scheitern des Steuerabkommens mit der Schweiz ist ebenfalls ein wichtiger Erfolg.  Noch offen ist die Auseinandersetzung um die Handelsabkommen TTIP und CETA. Doch hat der Protest von Hunderttausenden schon jetzt Wirkung bei der Politik gezeigt: Ein einfacher Durchmarsch ist nun nicht mehr möglich. Online-Petitionen können Menschen politisch aktivieren oder wirkungslos versanden. Sie sollten vor allem nach drei Kriterien beurteilt werden: Erstens, ob die Anliegen gut recherchiert sind, nicht einfach nur wilde Behauptungen verbreiten. Zweitens, ob die Initiatoren des Aufrufs eine plausible politische Strategie entwickelt haben, denn das Engagement soll zielgerichtet zum Tragen kommen. Und drittens, ob sie die Teilnehmer*innen dazu ermuntern, sich auch nach der Unterschrift weiter politisch zu beteiligen in der Form, die für jede Einzelne und jeden Einzelnen angebracht ist. In Zukunft wird Campact verstärkt zur Plattform für Bürger*innen, die selbst die Initiative ergreifen möchten. Die neue Webseite WeAct.de für Bürger-Petitionen ist dazu ein erster Schritt. Auch Online-Tools für dezentrale Aktionen gehören zu dieser dezentralen Entwicklungsperspektive, die wir mit dem Begriff „Bürgerbewegung“ benennen. Campact wird selbst Bewegung und ist zugleich Teil von Bewegungen. Das Motto unseres Jubiläumskongresses lautete nicht umsonst: Demokratie braucht Bewegung!

Jörg Haas // In: nds 6/7-2015