Schulleitung in Teilzeit: Eine Frage der Organisation

Stellvertretende Schulleiterin Bettina Garnerus im Interview

Bettina Garnerus ist seit drei Jahren stellvertretende Schulleiterin in Teilzeit an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Sprockhövel. Die 54-Jährige hat die Erfahrung gemacht, dass die Stundenreduktion eine Frage der Organisation ist. Die nds sprach mit ihr über ihre Beweggründe und die Planung ihres Berufsalltags.
Schulleitung in Teilzeit: Eine Frage der Organisation

Foto: Pio Si/Fotolia

nds: Sie arbeiten als stellvertretende Schulleiterin in Teilzeit. Wie kam es dazu?

Bettina Garnerus: Meine Entscheidung für eine Teilzeitstelle hatte familiäre Hintergründe. Meine Eltern wurden vor einigen Jahren pflegebedürftig und ich wollte mehr für sie da sein, als ich es in Vollzeit arbeitend hätte sein können. Hinzu kam, dass mein Partner in den Ruhestand gegangen war und ich das Bedürfnis hatte, mehr Zeit mit unseren Enkelkindern zu verbringen. Es traten außerdem erste Anzeichen für die Grenzen der eigenen Belastbarkeit auf. Ich habe mit meiner Entscheidung sozusagen rechtzeitig die Notbremse gezogen.

Hatten Ihre Mitarbeiter*innen und Vorgesetzten oder auch sie selbst Bedenken?

Ich konnte bereits vor der Beantragung mit dem zuständigen Dezernenten und dem Schulleiter alles abstimmen. Beide haben ohne zu zögern zugestimmt. Und sonst haben alle um mich herum uneingeschränktes Verständnis. Nur ich selbst habe heute noch ab und zu ein schlechtes Gewissen, wenn ich durch meine Abwesenheit an einem Tag aktuelle Brandlasten auf andere Schulleitungsmitglieder verteilen muss. Doch meine Kolleg*innen haben sich, soweit ich das beurteilen kann, sehr schnell an meine Abwesenheit an einem Tag in der Schulwoche gewöhnt. In dringenden Fällen können sie mich auch immer kontaktieren – das ist auch völlig in Ordnung so.

Wie wird Ihre Arbeitszeit reduziert?

Die gesamte Stundenreduktion bezieht sich auf die Unterrichtsverpflichtung. Die Aufgaben der Schulleitungsfunktion sind nicht verändert worden. Diese nehme ich jedoch nur noch an vier Tagen in der Woche wahr.

Kommt es oft vor, dass Sie mehr arbeiten als es dem Umfang der Teilzeit entspricht?

Das Gefühl mehr zu arbeiten als es der bezahlten Arbeitszeit entspricht, hat man in der Leitungsfunktion vermutlich immer. Für mich ist es entscheidend, einen Tag in der Woche Zeit zu haben für meine privaten Dinge. Dafür arbeite ich auch gerne an den anderen Tagen länger in der Schule oder am Wochenende von zu Hause aus.

Ist Teilzeit Ihrer Meinung nach in allen Bereichen der Schulleitung möglich? Wären dazu besondere Vereinbarungen nötig?

Als Schulleitung wäre sicherlich eine noch größere Umstellung für alle Kontaktpersonen notwendig, da die Menge der Außenkontakte deutlich größer ist als in der Funktion der Stellvertreterin. Man ist noch stärker Ansprechpartner*in für zahlreiche Belange. Machbar ist es meiner Meinung nach trotzdem. Ich denke, dass sich das schulinterne und auch externe Umfeld schnell daran gewöhnt, dass man nicht immer erreichbar ist. Es ist eine Frage der Organisation.

Ist Teilzeit Ihrer Meinung nach eine sinnvolle und faire Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren?

Es ist auf jeden Fall ein großer Luxus, die Möglichkeit der Teilzeit zu haben, wenn der Lehrberuf aus gesundheitlichen, privaten oder anderen Gründen nicht mehr in Vollzeit ausgeübt werden kann. Dass trotzdem ab und zu das Gefühl aufkommt, nicht beidem – Familie und Beruf – in vollem Maße gerecht zu werden, ist ganz normal und unabhängig von der Leitungsfunktion.               

Die Fragen für die nds stellte Hannelore Gieseker // In: nds 3-2014