So steht es um Lehramtsstudierende in NRW

Studierendenreport der GEW NRW: Durch Verbesserung der Studiensituation den Lehrkräftemangel bekämpfen

Der Studierendenreport der GEW NRW untersucht die Situation und soziale Lage von Studis auf Lehramt in NRW: Der akute Lehrkräftemangel ist ein zentrales schulpolitisches Problem. Die erforderliche Senkung von Arbeitszeit und Arbeitsbelastung der Lehrer*innen scheitert dabei nicht nur am fehlenden politischen Willen, sie scheitert auch daran, dass der Nachwuchs fehlt. Wer wirksam den Lehrkräftemangel beseitigen will, muss am Lehramtsstudium ansetzen und schnellstmöglich bessere Rahmenbedingungen schaffen.
So steht es um Lehramtsstudierende in NRW

Foto: iStock.com/gilaxia

Tausende Stellen können in NRW nicht besetzt werden. Wenn sie besetzt werden, geschieht das zu oft mit nicht grundständig ausgebildeten Lehrer*innen. Wer diesen Mangel langfristig und nachhaltig beheben will, muss bei den Ausbildungsbedingungen anfangen.

Daten von 1.800 Lehramtsstudierenden ausgewertet

Vor diesem Hintergrund analysiert der Studierendenreport auf Grundlage der Daten der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) erstmals vertiefend die Studiensituation sowie die soziale Lage der Lehramtsstudierenden in NRW. Der Report bietet die Grundlage, datengestützt über notwendige Änderungen im Studium zu diskutieren.

Der von der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt der Technischen Universität Berlin ausgewertete Datensatz enthält die Angaben von rund 13.000 Studierenden in NRW, darunter etwa 1.800 Lehramtsstudierenden. Damit liefert die Studie ein repräsentatives Bild der Situation der Lehramtsausbildung in NRW.

Lehrkräftenachwuchs ohne unnötige Unterbrechungen erfolgreich zum Studienabschluss führen

Die Landespolitik muss diese Ergebnisse zum Anlass nehmen, die soziale und wirtschaftliche Lage sowie die Studiensituation der Studierenden in den Lehramtsstudiengängen in NRW zu verbessern. Hierzu gehört auch, dass die Landespolitik sicherstellt, dass die lehramtsausbildenden Universitäten ihrer Verantwortung für die Studienbedingungen gerecht werden.

Studienzeiten, die unnötig lang sind, führen dazu, dass Schulen unnötig lang auf Nachwuchs warten müssen. Studierende, die ihr Lehramtsstudium abbrechen, fehlen auf Dauer in den Schulen. Der Report benennt die Handlungsfelder, um mehr Lehramtsstudierende zu einem erfolgreichen Studienabschluss zu führen und diese Studierenden ohne unnötige Unterbrechungen und besser auszubilden.

Die Landespolitik muss sich diesen Handlungsfeldern widmen:

  1. Die Diversität unserer Gesellschaft muss unter den Lehramtsstudierenden besser abgebildet werden.
  2. Die Studieninhalte müssen der Studienmotivation und der Berufsfeldorientierung der Studierenden entsprechen.  
  3. Die Studiengangkapazitäten müssen flächendeckend ausgebaut werden.
  4. Die Infrastruktur für Studierende muss verbessert werden.
  5. Universitäten müssen mit einer übergreifenden Studiengangkoordination die Studierbarkeit der Lehramtsstudiengänge gewährleisten.
  6. Studienstrukturen müssen flexibilisiert werden, um den differenzierten Lebenswirklichkeiten von Studierenden gerecht zu werden.
  7. Die Studienfinanzierung muss deutlich verbessert werden. Eine (erneute) BAföG-Reform ist hier ein Element.
  8. Universitäten müssen ihre Lehramtsstudierenden mit einer übergreifenden professionsorientieren Studiengangberatung unterstützen.
  9. Auslandsaufenthalte müssen besser in das Lehramtsstudium integriert und unterstützt werden.
  10. Praxisphasen im Lehramtsstudium müssen erleichtert werden.

Wir werden uns an der Diskussion über eine Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage sowie der Studiensituation von Lehramtsstudierenden in NRW gerne und engagiert beteiligen. Die Daten liegen vor. Datengestützte Politik ist nun gefragt.

Julia Löhr, Jugendbildungsreferentin der GEW NRW