Stellen für Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung

Instrument zur Verwaltung des Mangels

Seit dem Schuljahr 2014/2015 ist das Stellenbudget ausschlaggebend für die Ressourcensteuerung der Inklusion in Nordrhein-Westfalen. Mit seiner Einführung wird der fachlichen Kritik am Etikettierungs- und Ressourcendilemma entsprochen, Diagnostik und Ressourcenzuweisung werden entkoppelt. Verteilt wird allerdings nur, was der Haushaltsgesetzgeber zur Verfügung stellt.
Stellen für Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung

Foto: iStock/dolgachov

Zum Haushalt 2015 erläutert das Schulministerium: „Für die Förderung von Schüler*innen mit Lern- und Entwicklungsstörungen (Förderschwerpunkte Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache) wird im Schuljahr 2015/2016 ein Budget in Höhe von 9.230 Stellen für Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung (...) bereitgestellt. Das Ausgangsbudget für das Schuljahr 2014/2015 (9.406) entsprach dem tatsächlichen Stellenbedarf zur sonderpädagogischen Förderung dieser Schüler*innen im Schuljahr 2012/2013. Die Höhe des Budgets wird jährlich an die landesweite Entwicklung der bedarfsrelevanten Schülerzahl angepasst.“
Die GEW NRW hat errechnet: Wenn qualitative Vorgaben wie die Forderung „20 – 5 – 2“ erfüllt werden sollen und der neue Rechtsanspruch immer häufiger genutzt wird, wird es einen zusätzlichen mittelfristigen Stellenbedarf im Umfang von 7.000 Stellen geben.

Ungleiche Ausgangslagen
In zumindest zweierlei Hinsicht erschweren unterschiedliche Ausgangslagen die Steuerung – sowohl auf Ebene jeder einzelnen Schule als auch auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte. Viele Schulen sind neu ins gemeinsame Lernen gestartet und klagen über die Anfangsbedingungen. Zugleich sind inklusionserfahrene Schulen in diesem Schuljahr gezwungen, gemeinsames Lernen unter schlechteren Bedingungen zu organisieren.
Zu Beginn des aktuellen Schuljahres wiesen die Anteile der Schüler*innen mit einem festgestellten sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten auch bei gleichen sozialräumlichen Rahmenbedingungen große Unterschiede auf. Zudem unterschieden sich die Organisationsformen der sonderpädagogischen Förderung zum Teil deutlich.
Schulträger, die darauf abzielen und stolz darauf sind, dass sich vermeintlich viele Schulen der Aufgabe Inklusion stellen, erschweren letztlich die Qualität der Umsetzung. Die zur Verfügung stehenden Steuerungsinstrumente – zumal bei unzureichender Stellenausstattung – setzen die Schaffung von Schwerpunktschulen voraus.

Mehr Mitbestimmung notwendig
Die Kompetenz der Personalvertretungen wurde bei der Einführung des Stellenbudgets nur unzureichend genutzt. Das gilt sowohl für die Grundsatzentscheidungen auf ministerieller Ebene als auch für die Umsetzung vor Ort. So wurde einmal mehr eine Chance verspielt, schwierige Umstellungsprozesse mit den Interessenvertretungen der Beschäftigten gemeinsam zu gestalten.

Michael Schulte // In: nds 2-2015