Oberbürgermeister Geisel degradiert VHS zum Sparschwein

GEW Düsseldorf kritisiert Kürzungsvorschläge und fordert mehr Geld für die Volkshochschule
Karnevalsmotiv Affe mit Mütze mit der Aufschrift: "Bildung egal"

In der Ratssitzung am 21.9.2017 schlug Oberbürgermeister Thomas Geisel u.a. Kürzungen im Etat der Volkshochschule zur Sanierung des städtischen Haushaltes vor.

Derzeit ist die Finanzierung der Volkshochschule Düsseldorf insgesamt so mager und der städtische Anteil daran („Zuschuss“) so gering, dass es nicht einmal möglich ist, den Dozentinnen und Dozenten ein angemessenes Honorar zu zahlen. Nach vielen Protesten und Kämpfen der Dozent*innenschaft und der GEW ist es gerade einmal gelungen, das Bruttostundenhonorar erst um zwei und zuletzt um einen Euro auf derzeit 22 Euro anzuheben. Für mehr sei kein Geld vorhanden. Zur Finanzierung der Honorarerhöhung wurden sogar die Kursgrößen angepasst, Kurse gestrichen und die Teilnehmer*innenentgelte erhöht. Wenn nun der städtische Anteil am Etat der VHS gekürzt würde, stellt sich die Frage, wie die Honorarzahlungen auf dem derzeitigen Niveau weiter geleistet werden können, geschweige denn, wie diese, wie bereits vom Rat der Stadt angedacht und dringend notwendig, erhöht werden sollen. Dabei ist zu beachten, dass die Stadt Düsseldorf mit einer Honorarhöhe von 22 Euro pro Unterrichtsstunde weit hinter jeglichen Standards zurückbleibt: Dieser Betrag entspricht weder dem umgerechneten Mindestlohn Weiterbildung und liegt somit weit unterhalb der GEW-Forderung von mindestens 36 Euro. Auch im Vergleich zu anderen Städten liegt die VHS Düsseldorf hinten: Die VHS Köln beispielsweise zahlt inzwischen in vielen Kursen ihren Dozent*innen 35 Euro.

Jegliche Kürzung im Etat der Volkshochschule stellt einen Angriff auf den Fortbestand der unabhängigen Weiterbildung in Düsseldorf dar. Das Kursangebot der VHS ist in den letzten Semestern bereits eingeschränkt worden, Kurse müssen bereits jetzt aufgrund der fehlenden Finanzierbarkeit gestrichen werden.

Dies und die populistische Aussage von Oberbürgermeister Geisel, die VHS-Kurse dienten „eher der Selbstverwirklichung als der Aus- und Weiterbildung“ steht in harschem Kontrast zum Selbstverständnis der Volkshochschule:
Die Volkshochschule Düsseldorf wurde 1919, zu Beginn der ersten deutschen Republik, gegründet. Sie ist bis heute den Werten eines demokratischen und humanistischen Menschen- und Gesellschaftsbildes sowie weltanschaulicher Unabhängigkeit verpflichtet. Sie ist ein offener Ort des gemeinsamen Lernens und der Begegnung. Bei uns in der VHS treffen Sie auf Menschen, die Ihre Interessen teilen, und auf Dozentinnen und Dozenten von hoher fachlicher und pädagogischer Qualität. Unsere Arbeit ist gleichermaßen gekennzeichnet durch Kontinuität und Innovationsfreude. Und Freude soll auch das Lernen gemeinsam mit anderen Menschen bei uns machen.

Die GEW Düsseldorf unterstützt ausdrücklich den Protest der Dozent*innenschaft der Volkshochschule Düsseldorf, den diese in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Geisel vom 30.9.2017 geäußert hat.